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Passagieransprüche


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Vorbeugende Maßnahmen zur Schadenverhütung

“Vorbeugen ist besser als heilen”

Das alte Sprichwort ‘vorbeugen ist besser als heilen’ ist besonders prägnant, wenn man sich Passagieransprüche infolge von Körperverletzung ansieht. Die überwiegende Mehrheit (über 95 %) dieser Ansprüche wird durch Ausrutschen oder Stürzen an Bord des Schiffs veranlasst. Vielfach fällt eine Person ganz einfach deshalb hin, weil sie durch das für sie ungewohnte seegangsbedingte Schlingern des Schiffs ihr Gleichgewicht verliert. Leider werden die Rechtsanwälte von Anspruchstellern immer behaupten, dass der Reeder wegen schlechter Beleuchtung, einer Pfütze auf dem Deck oder dgl. die Schuld an dem Vorfall trägt.

Wie kann ein Reeder die Anspruchshäufigkeit der Passagiere reduzieren?

Wir empfehlen drei Schritte, die in diesem Kapitel noch weiter erläutert sind, und zwar:
- Betreuung von Passagieren
- Ein hohes Niveau wahren
- Passagiere und ihr Verhalten beobachten und kontrollieren

Betreuung von Passagieren

Wir empfehlen als ersten Schritt, beim Passagierschutz große Sorgfalt walten zu lassen, und zwar durch Sicherheitsinspektionen und -hinweise für Passagiere sowie durch Mannschaftsübungen zum Schutz von Fahrgästen.

Die Sicherheitsinspektion

Viele Reeder suchen ihr Schiff nahezu täglich auf, und sie finden es manchmal schwierig, das Schiff objektiv in Augenschein zu nehmen. Man muss sich aber die Zeit für eine sorgfältige, prüfende Musterung des Schiffs nehmen um zu versuchen, das Schiff von neuem zu sehen und potenzielle Gefahrenquellen zu erkennen. Die Kapitäne sollten zu regelmäßigen Schiffsbesichtigungen im Sinne der von uns vorgeschlagenen Checkliste unter Anhang 1 aufgefordert werden. Es ist gleichgültig, wer die Besichtigung vornimmt, solange sie - was wichtig ist - vom Standpunkt des Passagiers und nicht dem einer Person ausgeht, die an Schiffe völlig gewohnt ist. Einem Seefahrer fällt nicht ohne weiteres auf, was für einen Passagier gefährlich sein könnte.

Der wichtigste Faktor zur Verhütung von Passagierunfällen ist ganz allein folgender: es ist sicherzustellen, dass die gesamten Decks, Tanzböden, Treppenhäuser, Gangways und anderen Laufflächen für Passagiere einen Bodenbelag haben, der selbst in nassem Zustand rutschsicher ist. Sie sollten bei der Besichtigung dieser Flächen bedenken, dass zahlreiche Leute mit völlig ungeeigneter Fußbekleidung an Bord kommen. Das ist zu erwarten, wenn Ihr Schiff im öffentlichen Verkehr steht, und deshalb ist sicherzustellen, dass die Böden unter allen Bedingungen rutschsicher bleiben.

Sicherstellen, dass die gesamten Decks, Treppenhäuser und Gangways …einen rutschsicheren Bodenbelag haben.

Jedoch sollten nicht nur die Decks mit einem rutschsicheren Belag versehen werden. Auch Handgeländer sollten gleitsicher sein. Uns sind mehrere Stürze älterer Passagiere bekannt, weil sie nicht imstande waren, sich an nassen, glanzlackierten Handläufen sicher festzuhalten.

Die nächst häufigen Rutsch- oder Sturzquellen sind Stellen, die zum Stolpern oder zu einem Fehltritt führen. Hierzu gehören die oberen und unteren Treppenabsätze, sowie Türstufen oder plötzliche Unebenheiten des Decks. Bei solchen Gefahrenquellen geht man am besten vor, indem diese Unebenheiten farblich hervorgehoben werden. Große, leicht lesbare Warnschilder können ebenfalls dazu beitragen, derartigen Unfällen vorzubeugen.

Wenn das Schiff durch den Wellengang beim An- und Vonbordgehen schaukelt, kann der Übergang zwischen Schiff, Gangway und Land für Passagiere schwierig sein. An derartig gefährlichen Bereichen sollten daher immer Besatzungsmitglieder bereitstehen, die ggf. helfen können.

Die Beleuchtung ist ein weiterer Punkt, der Ihre Aufmerksamkeit verdient. Zahlreiche Unfälle kommen vor, wenn sich Passagiere zwischen Bereichen mit unterschiedlicher Beleuchtungsstärke bewegen. Ein kennzeichnendes Beispiel ist ein Passagier mit Sonnenbrille auf dem Weg vom hellen, sonnigen, offenen Deck zu einem verhältnismäßig dunklen Aufenthaltsraum. Diese Kombination von Umständen, d.h. die Änderung der Beleuchtungsstärke, die Sonnenbrille und die Reaktionslänge der Pupillen, kann zur vorübergehenden Erblindung führen. Andererseits kann ein Passagier beim Verlassen einen dunklen Innenraums durch grelles Sonnenlicht und weiß gestrichene Flächen geblendet werden. Man kann beiden Problemen durch HID-Beleuchtung nahe den Unterkunftseingängen etwas entgegenwirken. Von den Zugängen abgesehen sollten unterschiedliche Beleuchtungsstärken im Schiffsinneren jedoch vermieden werden.

Sicherheitshinweise

Die meisten Passagiere sind sich der Gefahrenquellen eines Schiffs nicht bewusst, weshalb sachdienliche Hinweise in ihrem Interesse wären, solange sie an Bord sind. Anhang 2 enthält Vorschläge über den grundlegenden Inhalt der anfänglichen Sicherheitsdurchsage. Ferner sollte man Passagiere während der Reise mit der Lautsprecheranlage über wechselnde Umstände, z.B. ungünstige Wetterverhältnisse, und über zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen informieren, die deshalb ergriffen werden sollten. Reeder sollten auch Plakate und Sicherheitskarten mit Ratschlägen für Passagiere heranziehen. Sie können dafür die vom Club veröffentlichte Sicherheitskarte für Passagiere verwenden. Diese Karte, die unter Anhang 3 wiedergegeben ist, basiert auf den von Fluglinien benutzten Karten und macht Passagiere auf verschiedene Abläufe aufmerksam, die erfahrungsgemäß häufig zu Unfällen führen.

Ausbildung der Besatzung

Zur Unfallszeit ist es zu spät zu lernen, wie man sich in dieser Situation verhalten soll. Wir empfehlen regelmäßige Übungen, damit die Besatzung über ihre Aufgaben bei Vorfällen unterrichtet ist, an denen Passagiere beteiligt sind, wie z. B.:-
- Stolpern und Stürze
- Mann über Bord
- Verschwundene Kinder
- Beherrschung von Menschenmengen (z.B. bei einem Brand)

Die gute Betreuung von Passagieren sollte den folgenden Hinweisen entsprechend immer im Vordergrund stehen.

Wir schlagen vor, dass Unternehmen eine proaktive Sicherheitspolitik einführen und Besatzungsmitglieder auffordern, aktiv zur Unfallverhütung beizutragen. Jedes Besatzungsmitglied sollte angewiesen werden, sofort für Abhilfe zu sorgen, wenn unsichere Vorgänge festgestellt werden, und dem Management des Schiffs dann Bericht zu erstatten. Wir würden regelmäßige Sicherheitsbesprechungen mit Besatzungsmitgliedern anregen, damit sicherheitsbezogene Ideen und Beobachtungen ausgetauscht und besprochen werden können.

Ein hohes Niveau wahren

Als zweiter Schritt der Unfallverhütung ist sicherzustellen, dass das Schiff stets auf einem hohen Niveau gehalten wird.

Die Mannschaft muss ordnungsgemäß ausgebildet und beaufsichtigt sein, damit das Bewirtschaftungsniveau so hoch wie möglich gehalten wird, wenn Passagiere an Bord sind. Ihre Mannschaft muss angewiesen werden, dass es äußerst wichtig ist, auf Tanzböden vergossene Getränke, sowie Glasscherben und andere gefährliche Gegenstände sofort wegzuräumen und fehlerhafte Geräte oder Möbel unverzüglich außer Dienst zu setzen.

Waschräume und Toiletten müssen in regelmäßigen Abständen besichtigt werden, um für hygienische Zustände und trockene Böden zu sorgen. Die laufende Wartung ist wie das Waschen von Decksflächen mit Gefahren verbunden und

sollte in Gegenwart von Fahrgästen eingestellt werden. Reinigungs- und andere lose Geräte sollten ordnungsgemäß verstaut sein, wenn sie nicht in Gebrauch sind. Notausgänge sollten immer frei gehalten und nicht durch abgestellte Sachen versperrt werden.

Passagiere und ihr Verhalten beobachten und kontrollieren

Der letzte Schritt nach der Überprüfung Ihres Schiffs und Ausbildung Ihrer Mannschaft ist, sich die Zeit zur zweckdienlichen Überwachung der Passagiere und ihres Verhaltens zu nehmen.

Die Beobachtung und Kontrolle von Passagieren und ihres Verhaltens gehen Hand in Hand miteinander.

Die Schadenverhütung setzt voraus, dass man dem Verhalten von Passagieren vorgreift. Wenn die Gründe potenzieller Ansprüche vorhersehbar sind, kann man verhüten, dass sie überhaupt eintreten, oder man kann Kontrollmaßnahmen ergreifen, um die Wahrscheinlichkeit eines Vorfalls zu reduzieren. Obgleich wir in unserer Vorstellung alle Einzelpersonen sind, neigen alle Passagiere zur Neugier und finden den Schiffsbetrieb hoch interessant, so dass es nicht so schwierig ist, wie man denkt, gewissen Situationen zuvorzukommen.

Die Beobachtung und Kontrolle von Passagieren und ihres Verhaltens gehen Hand in Hand miteinander.

Es gibt Situationen, in denen die Handlungen der Passagiere unter Kontrolle gehalten werden müssen, um sowohl sie als auch andere zu schützen. Wenn man Besatzungsmitglieder mit der Kontrolle von Menschenmengen beauftragt, sollte man ihren Rang, ihre Fähigkeiten und die spezifischen Umstände berücksichtigen. Man sollte das Besatzungsmitglied, das mit der Kontrolle von Menschenmengen beauftragt wird, in Anbetracht der vorherrschenden Umstände, seiner Fähigkeiten und seines Rangs nicht überfordern. Es könnte z. B. sinnlos sein, von einer jungen Stewardess die Kontrolle von Radaumachern auf einer Party zu erwarten.

Man sollte Hinweise für Passagiere mit kräftiger und deutlicher Stimme erteilen. Es lohnt sich, die Lautsprecheranlage zur Kontrolle von Passagieren heranzuziehen. Mit dem Lautsprecher können Passagieren sowohl Anweisungen als auch Ratschläge erteilt werden, wie z.B. über Vorsichtsmaßnahmen, wenn schlechtes Wetter bevorsteht.

Besatzungsmitglieder sollten ohne weiteres identifiziert werden können, damit besonders im Notfall keine Verwirrung eintritt. Wenn die Besatzung normalerweise nicht uniformiert ist, sollte man sich überlegen, ob die Besatzungsmitglieder Baseball-Caps oder ärmellose Jacken in bestimmten Farben tragen sollten.

Besatzungsmitglieder sollten ohne weiteres identifiziert werden können, damit keine Verwirrung eintritt.……..

Die von Passagieren ausgehenden Gefahren

Viele Gefahren werden durch die Handlungen der Passagiere selbst verursacht. Ein kennzeichnendes Beispiel dafür sind Passagiere, die sich beim Anlegen auf den Treppen ansammeln, weil sie so schnell wie möglich von der Fähre kommen wollen. Sollte ein geringfügiges Versehen des Kapitäns beim Anlegemanöver einen Stoß verursachen, könnten die Passagiere auf den Treppen ihr Gleichgewicht verlieren.

Wenn das Verhalten der Passagiere zu Problemen führen könnte, sollten sie vor der Gefahr ihrer Handlungen gewarnt und ferner in Betracht gezogen werden, ob der Zutritt zum betroffenen Bereich gesperrt werden soll.

Passagiere sind neugierig

Sie finden den Schiffsbetrieb in vielerlei Hinsicht hoch interessant und strömen dahin, wo etwas los ist. Viele haben sich verletzt, weil es ihnen gestattet wurde, zu nahe an Festmacherleinen und andere gefahrenträchtige Vorgänge zu geraten.

Passagiere müssen von diesen Vorgängen in sicherem Abstand gehalten werden. Es genügt nicht, sie einfach zu bitten, aus dem Weg zu bleiben. Anfangs ziehen sie sich vielleicht zurück, aber dann werden sie durch Neugier und die wachsende Ansammlung anderer Passagiere hinter ihnen unausbleiblich wieder nach und nach in die Gefahrenzone gedrängt, wenn sie nicht durch eine Barriere zurückgehalten werden. Deshalb müssen Arbeitsbereiche durch eine physische Barriere, wie eine Absperrung, ein Seil oder eine Kette, abgeriegelt werden.

Verhalten in schwerem Wetter

Das Verhalten von Passagieren bei schwerem Wetter ist eine häufige Unfallsursache. Manche Passagiere werden durch wilde Wetterverhältnisse in Erregung versetzt, und uns ist eine Reihe von Verletzungsfällen bekannt, weil sie sich in schwerem Wetter auf einem freiliegenden Wetterdeck - besonders am Bug - aufgehalten haben.

Das Verhalten von Passagieren in schwerem Wetter ist eine häufige Unfallsursache.

Ihre Mannschaft sollte diese Gefahren erkennen und Maßnahmen ergreifen, um die Passagiere zu warnen. Wenn die Situation durch eine Wetterverschlechterung gefährlich wird, sollte Ihre Mannschaft nicht zögern, den Zutritt zu den freiliegenden Bereichen zu sperren.

Bei einer Wetterverschlechterung steigt auch die Unfallgefahr in den Aufenthaltsräumen. Die Passagiere sollten aufgefordert werden, sitzen zu bleiben und nicht ohne guten Grund herumzulaufen. Bei schlechtem Wetter kann man sich durch heiße Gerichte und Getränke ggf. leicht verbrennen. Man sollte sich überlegen, ob das Verpflegungspersonal bei besonders heftigen Schiffsbewegungen ausschließlich kalte Gerichte und Getränke servieren sollte.

Kinder und Senioren

Die mit kleinen Kindern und Personen im fortgeschrittenen Alter verbundenen Probleme müssen besonders beachtet werden.

Kinder klettern gern herum. Daher ist es wichtig, Kästen mit Rettungswesen sowie Sitzgelegenheiten und ähnliche Sachen nicht an der Schiffsreling oder an Treppen anzuordnen bzw. abzustellen.

Wenn auf Ihrem Schiff kleine Kinder befördert werden, sollte man in Betracht ziehen, Geländer durch ein massives Schanzkleid zu ersetzen oder durch Netze zu sichern, damit kein Kind durchrutschen kann.

Senioren sind besonders rücksichtsvoll zu behandeln, da sie häufig nicht mehr so beweglich oder unsicher auf den Beinen sind.

Bei der Gestaltung von Treppen ist darauf zu achten,… dass die Passagiere sich auf beiden Seiten am Geländer festhalten können.

Sie müssen darauf achten, dass Handgeländer ihrer Aufgabe gewachsen sind. Es ist besonders wichtig, dass das Handgeländer weiter reicht als die Treppe,

damit die Passagiere von der oberen bzw. unteren Stufe mit beiden Füßen sicher auf das flache Deck treten können, ohne das Geländer loslassen zu müssen. Die Treppen sollten möglichst so angeordnet oder unterteilt sein, damit sich die Passagiere beim Hinauf- oder Hinuntergehen an beiden Seiten am Geländer festhalten können.

Stark gefederte Selbstschlusstüren auf dem Wetterdeck können für ältere Personen anstrengend sein und bringen Gebrechliche bei ihren Bemühungen mit diesen Türen häufig aus dem Gleichgewicht. Hohe Türstufen sind ebenfalls ein Problem, das durch eine weitere Stufe und durch zweckmäßig angeordnete Handläufe erleichtert werden kann. Schutzvorrichtungen können der Gefahr vorbeugen, dass die Finger von Kindern beim Schließen der Tür im Türrahmen eingeklemmt werden.

Passagiere auf Vergnügungsfahrt

Passagiere unternehmen Kreuzfahrten, um Sehenswürdigkeiten zu besichtigen, sich zu entspannen und zu vergnügen oder um einen Anlass zu feiern. Sie gewöhnen sich an das Ambiente der Schiffsszene und werden manchmal ausgelassen und herausfordernd, wenn die Möglichkeit zum Alkoholmissbrauch besteht. Solche Leute bringen nicht nur sich selbst sondern auch andere Passagiere in Gefahr. Die Mannschaft sollte diese Verhaltensweise so taktvoll wie möglich unterbinden, ehe sich Probleme einstellen und die Sache außer Rand und Band gerät. Der Club hat Ansprüche abgewickelt, die im Grunde genommen durch Trinken verursacht wurden und in mindestens einem Fall mit dem Vorwurf verbunden waren, dass Minderjährige an Bord trinken durften.

…..Passagiere werden manchmal ausgelassen und herausfordernd, wenn zu viel getrunken wird.

 

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